Vögel

Die "Bekämpfung" von Vögeln befasst sich im Wesentlichen mit der Vergrämung von Tauben und vereinzelt auch von sonstigen kleineren Vögeln, die von Gebäuden ferngehalten werden sollen. Neben den optischen Beeinträchtigungen durch den Kot stehen vor allem auch Krankheiten im Vordergrund, die durch die Tauben auf den Menschen übertragen werden können.

Tauben

Die Vogelfamilie der Tauben (Columbidae) vereint fast 300 Arten mit einer z.T. weltweiten Verbreitung. Neben der Hohltaube (Columba aenas), ein Baum- Fels- und Erdhöhlenbewohner, und der Ringeltaube (Columba palumbus), die bis in die Stadtgebiete vordringt, ist die Felsentaube (Culumba livia) von besonderem Interesse. Die Felsentaube war ursprünglich ein Bewohner der Felsenwände der Küstengebiete und Gebirge. Vor etwa 5000 Jahren begannen Bewohner Ägyptens und Mittelasiens, aus der Felsentaube die Haustaube zu züchten. Unter den Vögeln gibt es keine andere Art, die durch die Einflußnahme des Menschen mit mehr als 100 Zuchtrassen einen so großen Formenreichtum entwickelt hat.

Die gesellig lebenden, verwilderten Haustauben bilden unterschiedlich große Schwärme als Futterplatz-, Ruhe- oder Brutplatzgemeinschaften. Sie besiedeln in den letzten Jahrzehnten mit größeren Populationen auch kleinere Städte. Anzahl und größe ihrer Populationen nehmen zu, sobald großstädtische Straßenzüge mit ihren hohen Hausfassaden und größeren freien Plätzen im Stadtinneren ihnen den Eindruck einer Felslandschaft vermitteln, mit den damit verbundenen tal- oder flachlandähnlichen Weiten.

Die Tauben besitzen einen ausgesprochen sicheren Blick für mögliche Gefahren. Einen Fußgänger weichen sie mit Distanz aus, einem vorbeifahrenden Auto nur vom Fahrbahnrand bis auf den Bordstein, also nur wenige Zentimeter.

Verwilderte Hautauben sind aus menschlicher Sicht ein Beispiel für eine negative Populationsentwicklung einer Tierart in einer künstlichen Umwelt mit den Kriterien eines Schadtieres. Dem Stadtgebiet fehlen bestandsregulierende Umweltfaktoren der Naturlandschaften. Die Vögel finden geschätzte Brut- und Ruheplätze, ein Überangebot an Futterstellen (vielerorts sorgen Mitbürger aus falsch verstandener Tierliebe, Unkenntnis oder Gedankenlosigkeit zusätzlich für ergiebige Futterstellen auf Plätzen, Straßen, Imbissständen sowie Schulhöfen) und haben keine Feinde. Sie verfügen bei auftretenden Nahrungs-, Brut-, oder Rastplatzkonkurrenz über Möglichkeiten, in andere Stadtgebiete auszuweichen. Der Mensch hat dieser Vogelart komplette Ersatz-Lebensräume als Schutzbiotope geschaffen.

Verwilderte Hautauben können virusbedingte Vogelkrankheit en auf den Menschen übertragen. Mit der Verunreinigung von Dachböden ist die Einschleppung der Roten Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) sowie der Taubenzecke (Argas reflexus) vorprogrammiert. Die Einwanderung in darunter liegende und bewohnte Stockwerke kann zu schweren Belästigungen sowie gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Bewohner führen. Als eine allgemein weniger beachtete Folge einer Ansiedlung verwilderter Haustauben darf das Auftreten von vielfach bekannten und z.T. bekämpfungswürdigen lebensmittel-, vorrats-, und materialschädlichen Fliegen, Käfer- und Kleinschmetterlingsarten sowie Ektoparasiten u.a. in Wohnungen gelten wie z.B. die Larven von Dieb-, Pelz-, Speck und Teppichkäfern sowie der Kleidermotte als Materialschädling und Mehl-, Reismehl-, und Brotkäfer u.a. als Vorratsschädling. Diesen Arten dient der organische Abfall (Exkremente, Nistmaterial, verendete Tauben, Federn u.dgl.) auf den Rast- und Brutplätzen der Tauben als materielle Basis für ihr Entwicklung.

Durch die Besiedelung des Dachbodens und höher gelegener Hausfassadenvorsprünge kommt es durch herabfallende Exkremente und Nestmaterial zu Belästigungen von Parasiten sowie Verschmutzungen. Verstopfungen der Dachrinnen und Fallrohre führen zur Durchnässung des Mauerwerks mit Folgeschäden. Durch die ständige Ablagerung der Exkremente verschmutzen Fassaden bzw. nehmen künstlerisch gestaltete Bauwerke oder Baudenkmäler Schaden.